
1.
Projektjahr "Vom Korn Zum Brot"
Phase eins:
"Wir lernen uns kennen"
Über mehrere Wochen im
März/April 2001 erstellen Kinder an allen Schulen in ihren Klassen oder in
Lerngruppen verschiedene Arbeiten und schicken diese an die Partnerschulen. So
haben Schüler einer Schule zu jeder anderen Schule im Projekt mindestens
einen Kontakt. Die dabei zustande gekommenen Produkte sind sehr vielfältig:
Briefe und Fotografien werden per Email ausgetauscht, Familienportraits und
Sammelmappen werden verschickt und Kinder einer Schule üben in gemeinsamer
Arbeit ein Kindermusical und führen es vor. Ein Videoband davon wird mit einer
Dokumentation an alle Partnerschulen verschickt.
Auch aus den Partnerschulen kommt bunte Post: Schülerarbeiten über das Leben
in fremden Ländern, über die eigene Schule und die Familie.
Aus diesen Erstkontakten entwickelt sich zwischen Klassen aus Portugal und der
Lindenstraße ein längerer Briefkontakt
Phase zwei:
"Vom Korn zum Brot - Die Keimung"
Im Frühjahr 2001 beginnt mit
unterschiedlichen Experimenten und Beobachtungen die "Phase Keimung"
in allen beteiligten Schulen. Die Kinder untersuchen die Körner der
einzelnen Getreidesorten und lassen die Saaten unter verschiedenen Bedingungen
keimen.

Ergebnisse der Beobachtungen werden in Mappen festgehalten.
An einigen Schulen arbeiten die Kinder auch zusammen mit einem Betrieb der Landwirtschaft und beobachten die Aussaat und das Wachstum von Getreide auf dem Feld. An der Lindenstraße freuen wir uns besonders über die Bereitschaft des benachbarten Bauern vom Bergerhof, extra für das Schulprojekt ein Feld mit Getreide zu bestellen. So können die Kinder die Aussaatmethoden von früher und heute direkt erleben: Nachdem die Kinder mit der Hand gesät haben kommt der Bauer mit seiner Saatmaschine.

Das Verfahren und die Technik wird von einem Experten der BIOS - Biologische Statíon Osterholz - erklärt.
Parallel dazu wird in allen vier Schulen gleichzeitig ein Versuchsbeet angelegt.

Dort werden Ende April identische Sommergetreidesorten von Gerste, Hafer, Roggen und Weizen auf je ein qm² ausgesät. Über einen Zeitraum von vierzig Tagen beobachten und protokollieren die Kinder jeweils das Wachstum der Getreidesorten sowie die klimatischen Bedingungen, also Niederschlagsmenge und Tageshöchst- bzw. Tiefsttemperaturen.
Zur Erfassung der Daten sind viersprachige Arbeitsblätter entwickelt worden und stehen auf Abruf im Internet zur Verfügung. Die Ergebnisse der Schülerbeobachtungen werden jeweils nach einer Woche per Fax zur koordinierenden Schule geschickt und dort in einer Internet-Tabelle veröffentlicht. Damit haben die SchülerInnnen die Möglichkeit, ihre Beobachtungen mit denen der anderen Schulen zu vergleichen und Rückschlüsse aus den unterschiedlichen Klimabedingungen in Europa zu ziehen.
Mehrsprachige Blanko-Arbeitsblätter:
Ergebnisse der Beobachtungen:
Phase drei:
"Ernte"
Im Sommer 2001 reift das
Getreide und wird bald geerntet. Die Kinder beobachten das Reifen ihrer
eigenen Saaten und beschäftigen sich mit den Erntemethoden in der
Landwirtschaft ihrer Heimat. An unserer Schule können wir den Bauern aus
der Nachbarschaft bei der Ernte begleiten. Direkt neben der Schule liegt das
Getreidefeld und mühsam ernten die Kinder dort mit der Handsichel das Getreide.
Am Tag der großen Ernte stehen viele aufgeregte Kinder dem lärmenden Ungeheuer Mähdrescher gegenüber und erleben dessen vollmechanisierte Arbeit. Der Experte der BIOS erklärt den Kindern Aufbau und Arbeit des Mähdreschers.
Das selbst geerntete Getreide bringen die Kinder zum Heimatmuseum, um dort mit
alten Geräten die Körner aus den Ähren zu lösen. Mit einfachen Dreschflegeln
wird das traditionelle Verfahren erprobt. Ein Filmvortrag dazu zeigt die
technische Entwicklung vom Dreschflegel zum Mähdrescher, für die Kinder
schließt sich der Kreis.
An der Schule wird zum Erntefest von den Kindern eine
"Ernte-Fest-Ecke" gestaltet: Auf Strohballen werden
landwirtschaftliche Produkte und selbstgebastelte Sachen ausgestellt.
Im Dezember 2001 findet die nächste COMENIUS-Konferenz aller beteiligten
Schulen in Lettland statt. Dort werden die Schülerarbeiten vorgestellt und
Ergebnisse ausgetauscht. Absprachen zum Ende des
Projekts müssen getroffen werden, und auch über eine Fortführung der
Zusammenarbeit mit einem neuen Projekt soll beraten werden.
Erfahrungenen
·
Im
Comenius-Programm haben sich mit sämtlichen altersgemischten Lerngruppen, einer
ersten Klasse und der katholischen Religionsgruppe insgesamt mehr als die Hälfte unserer SchülerInnen über
einen langen Zeitraum engagieren können. Damit haben deutlich mehr Kinder an
diesem Projekt teilgenommen als ursprünglich beabsichtigt war. Während des
Projekts war es gut möglich, den Rahmen der Beteiligten flexibel zu halten um
damit möglichst viele interessierte Schüler in die gemeinsame Arbeit
einzubinden.
·
Die
Kinder waren besonders interessiert, sich fremden Klassen und Kulturen
vorzustellen und neue Kontakte zu knüpfen. Sie haben die Angebote des
handlungsorientierten Unterrichts erkennbar motiviert aufgegriffen. Die längerfristige
Kooperation mit ausländischen Schulen ist ein zusätzlich motivierender Aspekt.
Unterricht bekommt für die Kinder eine neue, langfristige und weiträumige
Perspektive - und damit auch einen besonderen Wert.
·
Die
klassen- und jahrgangsübergreifende Zusammenarbeit (Regelklasse und
Altersgemischte Lerngruppe und Religionsgruppe) der LehrerInnen zur
Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Unterrichtseinheiten war in
diesem zeitlichem und personellen Umfang eine neue und positive Erfahrung der
gemeinsamen Zusammenarbeit für uns Lehrkräfte gewesen. Durch arbeitsteiliges
Vorgehen wurden Kräfte sinnvoll eingeteilt und durch den erweiterten
Teilnehmerkreis wuchsen Ideen und Initiativen.
·
Durch die
Außenorientierung des Projektthemas und die Kooperation mit den assoziierten
Partnern (Bio-Station und Landwirt) ist es gelungen, den Lernort Schule nach außen
zu öffnen, Experten von außerhalb der Schule mit einzubinden und den SchülerInnen
neue Erfahrungen in anderen Lernumfeldern zu vermitteln.
·
Die
genauen Untersuchungen von Vegetations- und Umwelteinflüssen im Versuchsbeet
und der Vergleich mit den Ergebnissen der Partnerschulen hat den Kinder neue
handlungs- und realitätsorientierte Lernmöglichkeiten eröffnet.