Anlagen zum Computerunterricht an der Grundschule Lindenstraße
Kursinhalte
Zertifikat "Computerführerschein A" (Dritte Klasse)
Zertifikat "Computerführerschein B" (Vierte Klasse)
Zur Organisation:
Jeweils in der dritten und vierten Klasse
absolvieren die Kinder einen Grund- bzw. Erweiterungskurs im Computerraum der
Schule. Der Kurs ist in den Werkunterricht integriert und wird in halber
Klassenstärke über eine Zeitraum von sechs bis acht Wochen erteilt. Die Inhalte
variieren in Umfang und Anspruch je nach Klassenstufe. Da wir mit den dritten
und vierten Klassen zeitgleich im Herbst 2000 begonnen haben, können hier noch keine
Erfahrungen über die Abstimmung von Grund- und Erweiterungskursen
dokumentiert werden.
Zum Abschluss der Kurse absolvieren die Kinder einen Test, der in schriftlicher,
mündlicher und praktischer Arbeit das Gelernte dokumentiert. Bei erfolgreichem
Abschluss gibt es den Computerführerschein, der den selbstständigen Umgang mit
den Geräten erlaubt. Wer die Prüfung nicht schafft, kann im täglich
geöffneten und betreuten Computerraum üben und sich erneut prüfen lassen.
Die Kursinhalte sind im Folgenden nur grob im Rhythmus einer Doppelstunde
aufgeteilt. Die Arbeit im Internet und die Datenbankrecherche sind hauptsächlich
Lernstoff der vierten Klassen.
1. Kursinhalte
Vorkenntnisse. Die Kinder berichten im Kreis
von ihren Vorerfahrungen und vermitteln so einen Überblick über die unterschiedlichen
Vorkenntnisse.
Einführung in
den Computerraum. Regeln und Verhalten (kein Essen und Trinken mitbringen,
nur in Hausschuhen und mit gewaschenen Händen reinkommen...)
PC-Erkundung. Eine frei im Raum aufgebaute
PC-Anlage wird untersucht, man kann drum herumgehen und alle Teile
untersuchen, anfassen und dem Verlauf der Kabel nachforschen. Die
wesentlichen Komponenten der Anlage werden schriftlich festgehalten:
Rechner-Monitor-Tastatur-Maus.
Der Rechner. Alle Kabel verschwinden im
Rechner, wo vermutlich die entscheidenden Dinge passieren. Das Geheimnis
wird gelüftet: Dazu wird ein alter Rechner (gibt es an Schulen reichlich)
so präpariert, dass das Gehäuse lose über dem Mainboard liegt
und einfach hochgehoben werden kann. Darunter liegen deutlich sichtbar nur die wesentlichen Teile: Mainboard mit Prozessor, Netzteil,
Festplatte und Diskettenlaufwerk. (Letztere gleich mit einem Zettel markiert
als C: / a:)
Die Kinder können nun die Bauteile untersuchen, die Funktionen werden im
Gespräch vorgestellt, die Begriffe schriftlich festgehalten. Was genau in
welchen Zusammenhängen funktioniert, übersteigt die Verständnismöglichkeiten
der Kinder. Wichtig
aber ist, dass sie den Prozessor als Rechenzentrale und die Festplatte
bzw. Diskettenlaufwerk als Speichermedium kennen lernen. Eine weitere
geöffnete Festplatte soll zur Anschauung bereit stehen.
Die Kinder verteilen sich dann in Kleingruppen an ausgemusterte Geräte, um
sie zu demontieren und die wichtigen Bauteile wieder zu erkennen.
Eines dieser Geräte verbleibt dauerhaft zur Anschauung im Computerraum. So
kann auch in späteren Stunden immer wieder auf die Bauteile verwiesen
werden.
(Jede weitere Doppelstunde beginnt mit einer
Wiederholungsphase, um zuvor Gelerntes zu üben und zu sichern)
WINDOWS,
Grundlagen in der Arbeit mit einem Betriebssystem (1)
Die Kinder
fahren ihren PC hoch und achten dabei auf Geräusche und Töne. Sie vermuten
Ursachen und Zusammenhänge an hand ihrer Vorerfahrungen mit den
demontierten Rechnern und den entsprechenden Bauteilen. ("Der Prozessor
holt sich Daten von der Festplatte c:")
Auf jedem Bildschirm ist jetzt der Windows Desktop zu sehen, zur
Veranschaulichung ist ein "echter Desktop" auf zusammengeschobenen
Tischen nachgebaut: Auf einer Tischfläche von zwei mal zwei Metern liegen
"echte Ordner", ein Papierkorb und Dokumente. Die Kinder
versammeln sich um den nachgebauten Desktop und können daran den Aufbau und
Sinn einer solchen Arbeitsoberfläche nachempfinden: Ordner lassen sich
öffnen, Papiere können dort hineingeschoben werden und überflüssige
Dinge verschwinden im Papierkorb.
Unter den Tischen liegen genügend Mäuse bereit, die von den Kindern
untersucht und zum ersten Klicken benutzt werden.
Am eigenen PC sammeln die Kinder erste Erfahrungen mit der Maus: Den Mauszeiger über den Bildschirm fahren (im Slalom um die Icons herum),
markieren, verschieben und öffnen von Ordnern und Programmen.
Für einfachste Grunderfahrungen bietet sich das Programm "Rechner" an, das in jedem Windows integriert
ist: Gemeinsam werden Rechenaufgaben gelöst und ganz spielerisch üben die
Kinder die Bedienung eines sinnvollen Programms. Auch das Fensterverschieben und der Gebrauch wichtiger Schalter wie
"minimieren" und "schließen" werden geübt. Die Kinder
können bereits jetzt ein Programm sicher bedienen und sollen sich nun auf
einer anderen Ebene mit dem Prinzip von Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe
als Grundlage aller PC-Arbeit beschäftigen. Dazu wird ein kleines
Spiel vorbereitet: Die Kinder teilen sich in Gruppen zu dritt auf und setzen
sich in kleinen Reihen hintereinander. Die Rollen werden so verteilt, dass
innerhalb einer Reihe je ein Kind die Aufgaben von Tastatur, Rechner und
Monitor übernimmt. Auf vorbereiteten Buchstabenkarten bekommt die
"Tastatur" jeder Gruppe ein Wort. Die "Tastatur" leitet
die Buchstaben ungeordnet zum "Rechner". Dieser muss die richtige
Reihenfolge finden und die Buchstaben an den "Monitor" weitergeben. Der
Monitor klebt die Buchstaben auf eine Pappe und hält das fertige Wort
sichtbar für alle hoch. Das E-V-A Prinzip wird so für alle Kinder
auf einfachste Weise nachvollziehbar !
WINDOWS, Grundlagen
in der Arbeit mit einem Betriebssystem (2)
Die ersten Erfahrungen werden nun weiter
ausgebaut. Neben dem Programm "Rechner" öffnen die Kinder auch den
Arbeitsplatz (wo sie a: und c: wiederfinden) und den Papierkorb. An diesen
Fenstern lässt sich gut das Verschieben, Vergrößern und Verkleinern
üben.
Arbeit mit dem Grafik-Programm PAINT
Dieses Grafikprogramm gehört ebenfalls zu jeder Windows Basisausstattung
und eignet sich besonders für grundlegende Erfahrungen. Es lässt sich
schnell erschließen und ist einfach zu bedienen. Die Möglichkeiten der
grafischen Gestaltung motivieren die Kinder für einen spielerischen Umgang
mit dem Computer jenseits der Action- und Ballerspiele. Mit Paint lassen
sich alle wesentlichen Programmfunktionen üben: Das Öffnen der
Bearbeitungsmenus; Datei neu - speichern unter - und öffnen einer Datei, kopieren-ausschneiden-einfügen und
drucken. Durch die Analogien zu anderen
Programmen kann wichtiges Grundlagenwissen gelernt werden.
Gelungene Schülerarbeiten könne ausgedruckt und ausgestellt werden oder
gleich in eine vorbereitete Internetseite montiert werden.
Arbeit mit dem
Textprogramm WORD
Aufbauend auf den Erfahrungen mit PAINT
können sich die Kinder im Textprogramm
Microsoft WORD schnell orientieren. Vorausgehend muss die Tastatur mit den
wichtigsten Elementen eingeführt werden. Die Kinder schreiben kurze Texte,
markieren mit der Maus einzelne Wörter und versuchen verschiedene
Möglichkeiten der Formatierung. Als Übung kann ein Briefkopf geschrieben
werden. Auf einer höheren Stufe werden Grafiken als Clipart oder als selbst
entworfene PAINT-Bilder eingefügt. Das regelmäßige Üben von
"speichern unter" auf Diskette, Server und Desktop ist
erforderlich. Zum Abschluss dieser Einheit sollen die Kinder in der Lage
sein, einen eigenen Briefkopf mit unterschiedlicher Schrift, Schriftgröße
und -farbe zu gestalten. De Text soll rechtsbündig, mittig oder linksbündig
angeordnet werden.
Surfen im Internet
Wieder soll den Kindern spielerisch eine
Vorstellung von komplexen Zusammenhängen vermittelt werden - das
Internet als weltumspannende Vernetzung einzelner Computer mit einem roten
Faden: Die Kinder sitzen in einem großen Kreis und denken sich einen
Standort in einem beliebigen Land der Erde aus. Dann beginnt ein Spieler die
Verbindung zum gegenübersitzenden Land herzustellen, indem ein rotes
Wollknäuel herübergeworfen wird. Die Verbindung steht und wird durch
Weiterwerfen des Fadens ausgebaut, bis alle Kinder "am Netz
hängen". Gemeinsam kann die Gruppe das Netz straff spannen, hochheben
und Botschaften von Land zu Land verschicken. Unser roter Faden im
Computerraum wird schnell als Telefonleitung der Telekom identifiziert und
zum Sehen und Übertragen von Nachrichten aus aller Welt wird das Programm
Internet Explorer vorgestellt.
Um den Kindern die Navigation auf einer Internetseite zu veranschaulichen,
hängt an der Tafel ein nachgebautes "Modell" des Internet
Explorers als Maske. Darin klemmt eine komplette Startseite der "Blinden
Kuh" (ein hervorragend gemachtes Internetportal für Kinder).
Sichtbar ist davon in der Maske nur ein Ausschnitt der Seite, der Rest ist
unterhalb der Maske zu sehen und kann "von Hand gescrollt" werden.
Den reale Umgang im Internet
üben die Kinder dann ausgehend von der Startseite der Blinden Kuh, die auch
in der Voreinstellung an allen Geräten als Startseite markiert ist.
Die Bedienung von Suchmaschinen bleibt ausgeklammert, da die Definition von
Suchkriterien und das Filtern der Ergebnisse als ein zu anspruchsvolles
Lernziel erscheint. In Unterrichtsprojekten haben wir dagegen gute Erfahrungen
mit der vom Lehrer vorgegebenen Linkliste gemacht. Zum Abschluss dieser
Einheit sollten die Kinder in der Lage sein, eine Internetrecherche mit
vorgegebener Linkliste erfolgreich zu durchzuführen.
Datenbankrecherche
mit Microsoft ENCARTA
Das multimediale Nachschlagewerk Microsoft
ENCARTA ist sinnvoll im Unterricht einzusetzen und soll im Computerkurs der
vierten Klassen zum Lernstoff gehören. Die Kinder lernen die Bedienung in
der Startseite mit Eingabe des Suchbegriffs und Auswahl der Angebote, die
Orientierung in Textpassagen und das Drucken von Text und Bild.
Kinder haben in komplexen Seiten Schwierigkeiten mit der selektiven
Wahrnehmung der für sie wichtigen Stellen. Daher sollte vom Lehrer
möglichst präzise vorstrukturiert werden, an welcher Stelle und unter
welcher Überschrift die betreffende Information zu finden ist. Mit etwas
Übung und Erfahrung in diesem Programm erlangen Kinder zunehmend die dazu
notwendige Kompetenz selbst.
Viele der eindrucksvollen Dokumentationen einer vierten Klasse unserer
Schule zum Thema "Länder in Afrika" enthalten Bilder und Texte
aus dem Internet und dem ENCARTA-Lexikon, in dem die Kinder recherchiert haben.
Die Kinder führen kursbegleitend eine Mappe mit
Arbeitsblättern, auf denen wichtige Programmschritte mit Grafiken (Screenshots)
zum späteren Nachschlagen festgehalten sind.
Über die "Gefahren aus dem Internet" sprechen auch wir mit den Kindern, allerdings ohne Angst und Schrecken zu verbreiten. Anstößige Web-Seiten dürfen nicht vorsätzlich angewählt werden. Wenn solche Seiten dennoch auftauchen, was sich bei den raffinierten Tricks der Betreiber nie vermeiden lässt, wird darauf hingewiesen. Wir setzen keine Filtersoftware ein, da dies nur eine scheinbare Sicherheit ergibt und die Verantwortung von den Betreibern weg delegiert. In einem Elternbrief, den alle Kursabsolventen mitbekommen, weisen wir ausdrücklich auf diese Problematik hin. Außerdem werden den Eltern Tips für den weiteren Umgang ihrer Kinder mit PCs gegeben.
Was an Änderungen/Erweiterungen für den nächsten Durchgang geplant ist:
Regelmäßig soll der Unterricht um eine kurze Einheit "Computer-Gym" ergänzt werden, um die Kinder gleich von Anfang an zu sinnvollen Entspannungsübungen anzuleiten.
Mit den jetzigen Drittklässlern kann im Herbst 2001 das Kursprogramm erweitert werden auf die Bereiche Email und Chat.
Für Kinder mit großen
Zugangsschwierigkeiten sollen Förderstunden eingerichtet werden. Für diese
Kinder wäre es schön, wenn die Schule Verleihgeräte zum Hausgebrauch
herausgeben könnte (Dies ist ein kleiner Appell an mögliche Spender...)
Vielleicht gefällt Ihnen als Leser dieses
Konzept und Sie können es sinnvoll einsetzen. Dann freuen wir uns, dass wir mit
unseren Anregungen und Erfahrungen weiterhelfen können. Wir wünschen Ihnen
viel Erfolg und würden uns besonders über eine
kurze Rückmeldung freuen!!!